Plattenpflege und Plegemittelchen

Seit einiger Zeit habe ich ja eine Okki Nokki PWM (Plattenwaschmaschine).
Sie ist einer der günstigsten PWM auf dem Markt - aber sie macht ihre Sache sehr gut und ich bin sehr zufrieden damit.
Mit den kleinen Einschränkungen, die diese Maschine gegenüber den teureren PWMs hat, kann ich gut leben.
Außerdem beschäftige ich mich nicht täglich 4 Stunden mit Plattenwaschen, wenn es anders wäre, hätte ich vielleicht ein anderes Gerät gekauft.
Plattenwaschen… werden sich manche fragen. Was soll das?


Nun, leider ist es so, daß selbst nagelneue Platten häufig schon mit Verunreinigungen daherkommen.
Und das ist gar nicht mal so selten. Auch im Interesse des teuren Tonabnehmersystems ist es schon sinnvoll, die Platten vor der ersten Benutzung zu waschen.
Bei gebrauchten Platten ist es aber generell sinnvoll, diese einer Wäsche zu unterziehen.
Im Gegensatz zu früher verwendeten Lösungen wie dem Naßabspielen wird beim Plattenwaschen wirklich der ganze Schmutz aus den Rillen gelöst und abgesaugt.
Selbst ehemals naß abgespielte Platten bekommt man wieder knisterfrei.
Kurzum - eine PWM sollte jeder Plattenliebhaber zu Hause stehen haben.


Natürlich kann jede PWM nur so gut sein, wie die Waschflüssigkeit.
Diese sollte den Schmutz gut anlösen, ohne das PVC der Platte zu schädigen, aber auch schnell wieder trocknen.
Bei vielen Anwendern wird hierfür 80-90% destilliertes Wasser mit 10-20% Isopropylalkohol verwendet.
Ich selber benutze lieber 85% doppeltdestilliertes Wasser und 15% Ethylalkohol.
Diese Mischung ist zwar teurer, hat sich bei mir über die Jahre aber sehr gut bewährt.

Nun blicke ich gern mal über Zaun, das heißt, ich probiere auch gerne mal was neues aus.

Okki Nokki Fluid


Bei der Okki Nokki waren auch ein paar Fläschchen Reinigungskonzentrat dabei, außer einem leicht stechenden Geruch war von der Reinigungsleistung der damit angesetzten Lösung keine Verbesserung festzustellen.
Also kein Grund, meine eigene Mixtur abzusetzen.

Okki Nokki Fluid

 

L´ Art Du Son


Weil ich irgendwann mal in Ladengeschäft von "DieNadel" in Dormagen wegen des Einkaufs einiger Kleinigkeiten war, habe ich von dort auch mal 1 Liter fertig angemischte Reinigungsflüssigkeit "L'Art du Son" für ca. 13€ gekauft.
Von dieser Flüssigkeit wird in den einschlägigen Gazetten immer wieder ganz kräftig die Werbetrommel gerührt, aber ich hatte nicht vor, mir 100mL zu einem Monsterpreis von 35€ zu kaufen (Auch wenn man da ja angeblich 5 Liter Superreiniger raus mischen kann).
Da kam die Offerte von "DieNadel" ganz recht. Natürlich habe ich die Flüssigkeit nicht direkt benutzt, sondern erst mal in den Schrank gestellt.
Nach 3 Wochen hatte ich dann Lust, das auszuprobieren.


Also Flasche auf und umfüllen in meine "Arbeitsflasche". Doch was schwimmt den da drin?
Laut Anleitung hält sich das Zeug bis zu 5 Jahre, evtl. weiße Flocken kriegt man durch schütteln der Flasche wieder gelöst…
Aber was ich da in der Flasche sah, hatte mit weißen "Flocken" nicht zu tun. Zur Vorsicht filterte ich die ganze Flüssigkeit durch einen Kaffeefilter in ein anderes Gefäß.
Erst dachte ich, es handelt sich um einem aufgelösten Kunststoffball, der bei ja oft zur Durchmischung von Flüssigkeiten eingesetzt wird.
Aber ein Anruf bei Herrn Dun von "Die Nadel" bzw. eine Email mit dem Bild unten ergab, daß in der Flasche sicher kein Mischball war.
Dieses Zeug ist wohl das Ergebnis irgendeiner Reaktion des Reinigungsmittels.
Evtl. war diese Brühe wohl auch umgekippt und hat irgendwelche Algen oder Bakterienschleim produziert, obwohl sie die ganze Zeit "kühl und dunkel" gelagert wurde.
Die Anfassqualität des dunklen Rotz war jetzt nicht dazu geeignet, das als Reinigungsflüssigkeit zu bezeichnen.

Es zeichnet den Service der "Nadel" aus, daß ich umgehend mein Geld zurückerhalten habe.
Herr Dun war mindestens ebenso verwundert wie ich.


Meine Platten habe ich aber mit dem Zeug nicht in Verbindung gebracht.
Und ich werde es mit Sicherheit auch in Zukunft nicht machen!

Nachtrag: Mittlerweile wird das Mittel auch bei "DieNadel" nicht mehr fertig angemischt verkauft, sondern nur als Konzentrat mit 1 Liter Aquadest im Paket - warum wohl?
Trotzdem wird es bei mir nie mehr in die auch nur in die Nähe von Schallplatten kommen - die sind mir zu wertvoll!

L´Art Du Son (fertig gekaufte Mischung)

 

"Deinformer Vinyl"

Weil ich meine Okki Nokki auf der AAA Messe in Krefeld gekauft habe, gab es "Goodie" noch ein Fläschchen "Deinformer Vinyl" dazu.
Ups! Immerhin, 100ml "deisolytisches Funktionswasser" kosten ja schlappe 119€.
Auf den einschlägigen Verkaufsportalen im Netz und beim Hersteller wird ja von wahren Wunderdingen gesprochen:


Zitat:
DEiNFORMER KLANGFREISETZUNG
Freilegung von Klangpotential bei Disc & Vinyl. Zusätzliche Optimierung der Bildqualitiät bei DVD & BluRay. Natürlichere Farbdarstellung & Tiefenschärfe.
ANWENDUNGSBEREICHE
Hifi-Enthusiasten, Heimkino-Liebhaber, DJs, Sammler, Instrumentenbauer, Profimusiker, Tontechniker, Presswerke, Masteringstudios, High-End-Labels, Hifi-Hersteller, High-Resolution-User (vor der Digitalisierung).
Zitat Ende:


Zugegeben, ich war schon etwas skeptisch, die ganzen Aussagen hören sich schon so an, als könnte "Deinformer" auch Krebs heilen, aber ich wollte es zumindest mal ausprobieren.
Der Vorteil einer späten Heirat ist unter anderem der, daß man etliche Platten doppelt besitzt.
Also habe ich 2 gleiche Platten herausgesucht, beide noch mal sorgfältig gewaschen und gegeneinander verglichen, ob schon die beiden Platten Klangunterschiede hatten.
Anschließend wurde eine Platte mit dem "Deinformer" nach Anleitung behandelt.
Dann fand wieder ein Hörvergleich statt, bei dem ich durch die Ohren eines musikaffinen Freundes unterstützt wurde.
Wir tauschten auch die Plattenspieler (Small Maschine/Thorens) zum Abhören.
Aber…beim besten Willen, ob mit oder ohne "Deinformer", es ließ sich kein eindeutig wahrnehmbarer Unterschied heraushören.
Auch eine zweite Anwendung von "Deinformer" brachte kein anderes Ergebnis.
Alles was zu hören war, lief auf "könnte", "vielleicht" oder "ich meine" heraus.
Erst recht, wenn einer von uns die Platten tauschte und der andere nur hörte (In diesem Fall, ohne zu wissen,
welche behandelte oder unbehandelte Platte gerade lief), konnte kein Unterschied herausgehört werden.
Dabei waren die unterschiedlichen Plattenspieler, Tonabnehmersysteme und Vorverstärker ganz eindeutig zu "erhören".

Fazit: Teures Voodoowasser ohne erkennbare Wirkung

 

Deinformer Vinyl

Perfekt Sound

Tatsächlich habe ich mich aber auch mal hinreißen lassen, eine andere Klangverbesserertinktur zu kaufen.
Bei einem gemeinsamen Hörabend mit Freunden, kramte ein Freund auf einmal ein Sprühfläschchen "Perfekt Sound" raus, besprühte die gerade gehörte CD damit und wischte sie anschließend ab.
Und - Oh Wunder, tatsächlich konnte man hinterher einen gewissen Unterschied hören, die Wiedergabe wurde klarer, einzelne Details traten deutlicher hervor.
Selbst die beste Frau von allen, die sich am Tisch mit einer Freundin Bilder angesehen hatte, fragte plötzlich: "Was habt ihr gemacht? Das klingt anders!".

Nun ja, wenn man den Effekt rational versucht zu erklären, landet man schnell in der physikalischen Sackgasse.
Was soll ein Spray bewirken, das auf die Abtastseite einer CD aufgesprüht wird, wenngleich die Brennweite des abtastenden Lasers doch auf die andere Seite der CD mit der Leseschicht fokussiert ist?
Irgendwie nicht logisch. Und wie soll so ein Spray das Auslesen von 0 und 1 beeinflussen?

Fragen über Fragen, für die sich keine naturwissenschaftliche Erklärung finden läßt.

Aber offensichtlich funktioniert die Sache aber. Zwar nicht mit jeder CD, aber recht häufig.


Allerdings: In einem Forum fand ich den Hinweis, es statt mit dem "Perfekt Sound" Spray mit ganz normalem Wasser und Spüli zu versuchen.
Gelesen - getan - und hoppla!
Der gleiche Effekt, nur billiger! Kann also jeder mal versuchen, wenn es was bringen sollte, ist es OK, wenn nicht, dann hat man auf jeden Fall 36€ gespart, soviel kostet das Wunderspray nämlich.

 

Perfect Sound


Es zeigt sich hier leider wieder mal, daß in der Szene offensichtlich mit obskuren Tinkturen und Wässerchen viel Geld gemacht wird, ohne daß sich in den meisten Fällen´ein echter Nutzen erkennen läßt.
Immens wichtig scheint auch ein möglich schwülstiger oder hochtrabender Produktname zu sein, um dem Käufer auch noch den Rest Zweifel auszutreiben.
Leider hat man als experimentierfreudiger Anwender überhaupt keine Möglichkeit, den Nutzen oder die Gefährdung für Leib und Leben bzw. Vermögenwerte (Platten) vorher abzuschätzen.
Auf meine Anfragen nach Sicherheitsdatenblättern zu den entsprechenden Flüssigkeiten gab es alles an Antworten, von "braucht man dafür nicht" bis zu dem Zusenden von Prospekten eben dieser Flüssigkeiten.
Nur ein Sicherheitsdatenblatt habe ich tatsächlich nicht erhalten.


Fast könnte ich die Hersteller dieser Supertinkturen verstehen.
Im Sicherheitsdatenblatt müssen die entsprechenden Inhaltsstoffe mit den Gefahrenbewertung stehen.
Es würde sicher bei vielen Supertinkturen zeigen, daß sie wahrscheinlich nur aus Wasser mit Spüli und vielleicht einem Extrakt aus Chiasamen ?? bestehen.


Nur zur Info:
Die REACH-Verordnung, bzw. Verordnung EG Nr. 1907/2006, ist eine Verordnung der europäischen Gemeinschaft mit der Absicht,
ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und für die Umwelt sicherzustellen.
REACH bedeutet Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe.

Die REACH-Verordnung EG Nr. 1907/2006 fordert, daß der Lieferant eines Stoffes oder einer Zubereitung dem Abnehmer ein Sicherheitsdatenblatt zu Verfügung stellt.
In welcher Form dies geschehen muß, ist im Anhang II geregelt. Außerdem muß das Sicherheitsdatenblatt in Landessprache des Abnehmers abgefasst sein.

 

Wird weiter ergänzt...